Spargelzeit im Luca’s – Wo kommt der Spargel eigentlich her?


Spargelzeit im Luca’s – Wo kommt der Spargel eigentlich her?
Neulich an der Luca’s Theke: Es ist Spargelzeit. Aber wo kommt der eigentlich her? Zeit-Geschichtlich gesehen.
Herr Google weiß alles. Man suche, lese & staune: bei nwzonline.de konnte uns geholfen werden.
Hier also für alle, die ein kleines Bißchen mehr wissen wollen.
Spargelzeit im Luca’s.
Rund 4000 Jahre Spargelgeschichte  – eine kleine Zeitgeschichte

 

Kaum ein anderes Gemüse ist im Frühjahr hierzulande so beliebt wie der Spargel. Dabei wurde das edle Gemüse vor Jahrhunderten zunächst als Heilpflanze für die Medizin entdeckt. Seinen kulinarischen Wert entdeckten vor allem die Römer, die auch die Kultivierung vorantrieben.

Die Geschichte des Spargels ist in Deutschland in drei Museen dokumentiert. Alles über die Geschichte, den Anbau, die Ernte und Verarbeitung erfährt man im Europäischen Spargelmuseum in Schrobenhausen (Bayern), im kleinen Spargelmuseum der Region Beelitz (Brandenburg) sowie im Niedersächsischen Spargelmuseum in Nienburg.

Ursprung in Asien

Sein Ursprung des Spargels liegt vermutlich in Vorderasien. Dort wächst er in sandigen Meeresdünen und feuchtsandigen Flusstälern. Von hier aus verbreitete er sich nach West- und Mitteleuropa sowie Nordafrika.

Heilpflanze nicht nur bei den Chinesen

Bei den Chinesen, die mit ihrer Jahrhunderte alten Tradition in der Medizin bis heute unübertroffen sind, war die Spargelpflanze schon vor rund 4.000 Jahren bekannt.

Zur „Götterspeise“ wurde sie übrigens in Ägypten von Pharao Echnaton nebst Gattin Nofretete ernannt.

„Asparagus acutifolius“ als Arzneipflanze

Auch die Griechen, Perser und Babylonier kannten Spargel bereits zu ihrer Blütezeit. Der griechische Name „asparagos“ bedeutet „Stiel“ oder „junger Trieb“. Jedoch schätzten auch die Griechen vor etwa 2.500 Jahren hauptsächlich als Arzneimittel. So wurde er wohl eingesetzt, um unter anderem Zahnschmerzen zu kurieren und Bienenstiche zu lindern.

Im Mittelmeer-Raum war damals ein wild wachsender und eher dünnstängeliger Spargel (Asparagus acutifolius) bekannt. Die älteste bekannte Erwähnung stammt nicht zufällig von einem Arzt. Hippokrates aus Kos (ca. 460-370 v. Chr.) betont die stopfende Wirkung (wahrscheinlich der Wurzel). Auch schätzten die Griechen Spargel wegen seiner harntreibenden Wirkung. Auch heute werden in Griechenland noch die Sprosse dieses „Dornenspargel“ gesammelt, der etwas kräftiger als der uns geläufige Kulturspargel schmeckt. Die heute bei uns kultivierte dickstängeligere Art (Asparagus officinalis) gelangte erst einige Zeit später nach Italien. Auf Wandgemälden in Pompeji wurde Spargel ebenfalls abgebildet.

Delikatesse bei den Römern

Erstmals als Gemüse angebaut wurde Spargel in der Geschichte wahrscheinlich von den landwirtschaftlich recht interessierten Römern. Hier galt er bereits als Delikatesse. Von den Römern sind auch ausführliche Kulturanleitungen zum Spargelanbau überliefert. So beschreibt Marcus Portius Cato ca. 175 v. Chr. das Anbauverfahren für Grünspargel. Für wohlhabende Römer war der Spargel bereits ein wichtiger Bestandteil eines jeden Festmahls. Kaiser Augustus soll ein so großer Spargelfan gewesen sein, dass er selbst bei Befehlen sein Lieblingsgemüse mit ins Spiel brachte. Er soll seinen Dienern Aufträge erteilt haben, die mit dem Satz endeten: „… citius quam asparagus coqunatur“, was so viel heißt, dass der Auftrag schneller ausgeführt werden solle, als der Spargel zum Kochen brauche.

Dass der begehrte Spargel auch damals schon seinen Preis hatte, zeigte sich im 4. Jahrhundert, als Kaiser Diokletian sich sogar genötigt gesehen haben soll, eine so genannte „Spargel-Höchstpreis-Verordnung“ zu erlassen.

Spargelzeit im Luca's

„Asparagus officinalis“ als Kulturpflanze

Wesentlich später, um 1100, wurde das Gemüse von Byzantiner Ärzten erstmalig auf der Westhalbkugel als Heilpflanze erwähnt. Daher auch der Name „Asparagus officinalis“. Die harntreibende Wirkung von Spargel wurde hervorgehoben, und man setzte ihn ebenfalls zur Linderung von Hüftschmerzen ein.

Eroberungszüge

Vermutlich waren die Eroberungszüge der Römer dafür verantwortlich, dass der Spargel sich in Europa und damit in Deutschland ausbreiten konnte. Zunächst frönte er sein Dasein allerdings vor allem in Klostergärten, wo ihn gelehrte Mönche wieder als Heilpflanze anbauten. In Frankreich und England war der Spargelanbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts vor allem in Königshäusern weit verbreitet. Der erste urkundlich erwähnte Anbau von Spargel in Deutschland im „Stuttgarter Lustgarten“ ist 1565 datiert.

Im ausgehenden Mittelalter (16. Jahrhundert) wurde Spargel beinahe überall in Europa angebaut – in Frankreich und Italien genauso wie in England, Osteuropa und Deutschland.

Die deutschen Anbaugebiete waren zu jener Zeit vor allem in der Braunschweiger Gegend, im badischen Raum sowie in der Umgebung von Berlin, Hamburg und Riga.

Kultivierung und Haltbarmachung

1804 kam der Franzose Apert zum ersten Mal auf die Idee, den Spargel zu konservieren. 1840 entstanden dann die ersten deutschen Betriebe, die das Gemüse in Dosen haltbar machen. 1861 schließlich ermutigte der Braunschweiger Konservenfabrikant Gustav Grahe die Gärtner und Landwirte zur „feldmäßigen Anlage von Spargel“ und verpflichtete sich zur Abnahme ihrer Ernte. Dieses Angebot hatte natürlich einen enormen Aufschwung des Spargelanbaus in dieser Region zur Folge.

Wurde bis dato vor allem Grünspargel angebaut, folgte in Deutschland jetzt der Siegeszug der weißen Spargelstangen.

Wurde der Spargelanbau in den beiden Weltkriegen mangels Nährwert fast völlig eingestellt, folgte anschließend ein rasanter Aufschwung, der bis heute anhält.

Deutsche Anbaugebiete

In Deutschland gibt es heute zwei große Spargelanbaugebiete: Das norddeutsche (erstreckt sich von Braunschweig über Hannover, Osnabrück und Münster bis an Nordsee und Elbe) sowie das süddeutsche Anbaugebiet in den Regionen um Schrobenhausen, Schwetzingen, Darmstadt und Ingelheim.

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